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aprs.helpAPRS-Wissen und Ressourcen

SSID in AX.25 und APRS

SSID, Secondary Station Identifier, ist Bestandteil einer AX.25-Adresse. APRS verwendet dieses Feld entsprechend seiner Protokollfunktion und zusätzlich nach Konventionen, die auf den typischen Einsatzzweck einer Station hinweisen.

Zu unterscheiden sind:

  • SSID als Adressfeld in AX.25,
  • in APRS verwendete SSID-Empfehlungen,
  • historische Verwendungen der SSID,
  • Kennungen, die ausschließlich in APRS-IS oder anderen Systemen existieren.

SSID in AX.25

Eine AX.25-Adresse besteht aus sechs Oktetten für das Rufzeichen und einem siebten Oktett, das unter anderem das vier Bit breite SSID-Feld enthält.

Für eine Quell- oder Zieladresse:

bit: 7 6 5 4 3 2 1 0
C R R S S S S E

Für eine Digipeater-Adresse:

bit: 7 6 5 4 3 2 1 0
H R R S S S S E

Bedeutung:

  • SSSS - SSID,
  • R - reservierte Bits,
  • C - Command/Response,
  • H - Has Been Repeated,
  • E - Extension Bit.

Die SSID belegt vier Bits, daher liegt ihr Wertebereich bei 0..15.

Diese Begrenzung gilt für jede tatsächliche AX.25-Adresse, unabhängig davon, ob sie als Quelladresse, Zieladresse oder Digipeater-Adresse verwendet wird.

SSID in APRS

APRS verändert das AX.25-SSID-Format nicht. Für Quellstationen haben sich jedoch Konventionen etabliert, die auf den vorgesehenen Einsatzzweck einer Station hinweisen.

Dabei handelt es sich um Empfehlungen, nicht um APRS-Syntax und nicht um eine Validierungsregel.

Klassische APRS-Empfehlungen:

SSID Typische Verwendung
-0 primäre Station des Operators, meist ortsfest und nachrichtenfähig
-1 allgemeine zusätzliche Station
-2 allgemeine zusätzliche Station
-3 allgemeine zusätzliche Station
-4 allgemeine zusätzliche Station
-5 andere Netze oder Systeme
-6 besondere Aktivität, Satelliten, andere Bänder usw.
-7 Handfunkgerät oder andere tragbare Station
-8 Boot, Wohnmobil oder zweites primäres Mobilgerät
-9 primäre Mobilstation, normalerweise kommunikationsfähig
-10 Internet, iGate, EchoLink, Winlink und ähnliche Anwendungen
-11 Ballon, Flugzeug, Raumfahrzeug
-12 APRStt, DTMF, RFID, Geräte, Einweg-Tracker
-13 Wetterstation
-14 Fahrzeug eines Berufskraftfahrers oder ähnliche Anwendung
-15 allgemeine zusätzliche Station

Auf AX.25-Ebene ist CALL-9 lediglich eine Station mit der SSID 9. Die Interpretation als primäre Mobilstation ergibt sich aus der APRS-Konvention.

Software sollte diese Tabelle weder zum Verwerfen von Paketen noch zum Erzwingen eines Stationstyps verwenden.

-9 und -12

In den klassischen APRS-Empfehlungen ist -9 in erster Linie für die primäre Mobilstation eines Operators vorgesehen, die üblicherweise auch Kommunikation über APRS oder Sprache ermöglicht.

-12 eignet sich unter anderem für Einweg-Tracker.

Ein in einem Fahrzeug eingebautes Gerät muss daher nicht automatisch -9 verwenden. Sendet es ausschließlich Positionsdaten und besitzt keine Rückkommunikationsmöglichkeit, kann -12 seine Rolle besser beschreiben.

Historische Verwendung der SSID zur Symbolauswahl

In frühen APRS-Versionen wurde die SSID auch zur Auswahl des Symbols für Tracker verwendet, die rohe NMEA-0183-Daten übertrugen.

Dieser Mechanismus wurde später durch andere Verfahren zur Symbolcodierung ersetzt, unter anderem durch das GPSxyz-Schema über die Zieladresse sowie durch APRS-Positionsformate, die das Symbol direkt enthalten.

Eine moderne Source-SSID sollte daher nicht zur Bestimmung des Stationssymbols verwendet werden.

Source-, Destination- und Digipeater-SSID

Der Frame:

SQ9MDD-9>APRS-2,WIDE1-1:

enthält drei unabhängige SSID-Werte:

SQ9MDD-9 source SSID = 9
APRS-2 destination SSID = 2
WIDE1-1 digipeater SSID = 1

Auf AX.25-Ebene werden alle gleich codiert, ihre Bedeutung in APRS hängt jedoch von ihrer Position ab.

Empfehlungen wie -7 handheld, -9 mobile oder -13 weather beziehen sich hauptsächlich auf die Source-SSID. Destination-SSIDs und SSIDs im Pfad können von anderen APRS-Mechanismen verwendet werden und sollten nicht anhand der Tabelle für Stationsrollen interpretiert werden.

APRS-IS und die Grenzen von AX.25

APRS-IS verwendet eine textuelle Paketdarstellung und erlaubt nach dem Bindestrich ein Suffix aus einem oder zwei alphanumerischen Zeichen, sofern die übrigen APRS-IS-Formatregeln eingehalten werden.

Damit ist beispielsweise folgende Kennung möglich:

SQ9MDD-D

Eine solche Kennung kann von einer Station verwendet werden, die auf APRS-IS existiert, beispielsweise von einem Gateway oder einem System, das APRS mit einem anderen Netz verbindet.

Sie kann jedoch nicht als native AX.25-Quelladresse auf RF codiert werden, da das AX.25-SSID-Feld ausschließlich den vier Bit breiten Wert 0..15 enthält.

Ein APRS-IS -> RF-Gateway darf daher nicht davon ausgehen, dass jede gültige APRS-IS-Kennung direkt in ein AX.25-Adressfeld übernommen werden kann.

Third-party traffic

APRS definiert einen Mechanismus für third-party traffic, bei dem der ursprüngliche Header und die ursprünglichen Daten im Informationsfeld eines anderen gültigen AX.25-Frames transportiert werden können.

Damit können Informationen über eine Station aus einem anderen Netz erhalten bleiben, der AX.25-Adressraum wird dadurch jedoch nicht erweitert. Eine Kennung wie SQ9MDD-D kann in Third-Party-Daten vorkommen, wird dadurch aber nicht zu einer nativen AX.25-Quelladresse.

Kennungen außerhalb des Bereichs 0..15

In der APRS-Dokumentation finden sich historische Beispiele für Suffixe wie:

-63
-tt
-ID
-A ... -Z

Sie wurden für Objekte oder Stationen verwendet, die von Internet-basierten oder anderen Systemen erzeugt wurden. Es handelt sich nicht um zusätzliche Werte der vier Bit breiten AX.25-SSID.

Für eine native RF-Adresse gilt weiterhin der Bereich 0..15.

APRS-Objekte

Der Name eines APRS-Objekts wird im Informationsfeld und nicht im AX.25-Adressfeld übertragen und kann bis zu neun Zeichen enthalten.

Namen wie:

TEST-63
TEST-ID
WX-A

können daher Endungen enthalten, die wie SSIDs aussehen. Diese Endungen sind jedoch Teil des Objektnamens und unterliegen nicht der Vier-Bit-Begrenzung der AX.25-SSID.

Konsequenzen für Gateways und Software

Eine APRS-Implementierung sollte die Validierung einer nativen AX.25-Adresse von der Validierung einer in APRS-IS verwendeten Kennung trennen.

Bei einer direkt über RF übertragenen Adresse muss die SSID im Bereich 0..15 liegen.

Software darf nicht automatisch davon ausgehen, dass jede in APRS-IS vorhandene Kennung:

  • in eine AX.25-Adresse umgewandelt werden kann,
  • über RF erneut ausgesendet werden kann,
  • als Source Address verwendet werden kann,
  • über KISS als native Frame-Adresse an ein TNC übergeben werden kann.

Dies ist besonders wichtig für APRS-IS -> RF-Gateways, DMR/APRS- und D-STAR/APRS-Integrationen, Hotspots, Telemetriesysteme und Anwendungen, die ausschließlich im Internet existierende APRS-Stationen erzeugen.

Interpretation der SSID in Software

Die SSID kann als zusätzliche Information über die vorgesehene Rolle einer Station verwendet werden, sollte aber die im Paket enthaltenen Daten nicht überschreiben.

Sendet CALL-9 ein bestimmtes APRS-Symbol, sollte die Software das Symbol aus dem Paket verwenden. Sendet CALL-13 keine Wetterdaten, wird das Paket durch die SSID allein nicht zu einem Wetterpaket.

SSID-Konventionen dienen in erster Linie der Organisation von Stationen und ihrer leichteren Erkennung durch Operatoren.

Zusammenfassung

Die wichtigsten Regeln:

AX.25 SSID
4 Bit
Bereich 0..15
APRS source SSID
verwendet die AX.25-SSID
kann zusätzlich den Empfehlungen 0..15 folgen
APRS-IS
kann Kennungen enthalten, die keine
direkte AX.25-Darstellung besitzen
APRS-Objekt
der Name befindet sich im information field
ein Suffix nach einem Bindestrich muss keine SSID sein
third-party traffic
kann eine textuelle Darstellung einer Station
außerhalb von RF transportieren, erweitert AX.25 aber nicht

Bei der Interpretation eines Wertes nach einem Bindestrich muss daher zuerst festgestellt werden, ob er Teil einer tatsächlichen AX.25-Adresse, einer APRS-IS-Kennung oder eines im Informationsfeld übertragenen Namens ist.

Quellen